Kosmopiraten (Rezension)

Ein abenteuerliches Sci-Fi-Piratenepos in den tiefen des Weltalls

Über Alejandro Jodorowsky muss man nicht mehr viel sagen. Als Autor zahlreicher abgedrehter Comic-Geschichten und mit seinem gescheiterten Versuch in den 70er Jahren Dune zu verfilmen, dürfte er sich zumindest bei Freunden der Nerdkultur einen festen Platz in deren Herzen gesichert haben. Vom Splitter Verlag liegt nun eine SplitterDouble Ausgabe von Kosmopiraten vor, die den Zweiteiler in einem Band vereint und dem deutsche Publikum zugänglich macht. Pete Woods hat die Zeichnungen zu diesem abgedrehten Abenteuercomic beigesteuert. Weiß dieses Piratenabenteuer zu begeistern, oder kentert das Schiff auf dem unbarmherzigen Comic-Markt?

Eine Heldenreise auf Jodorowski-Art

Im Mittelpunkt von Kosmopiraten steht der Attentäter Xar-Cero. Er wird von den sieben Magno-Bankiers, die das Weltall mit ihrem absurden Reichtum beherrschen, für einen Auftrag engagiert. Obwohl Xar-Cero Attentäter ist, scheint ihm dennoch eine gewisse Moral anzutreiben, denn als er merkt, dass er mit seinem Auftrag einen ganzen Planeten ausgelöscht hat, will er die Magno-Bankiers stellen. Zu ihrer Verteidigung löschen die Bankiers die Erinnerung von Xar-Cero und lassen ihn glauben, er sei auf einem sehr rückschrittlichen Planeten als Arzt tätig. Durch verschiedene gewaltvolle Umstände muss Xar-Cero im Laufe der Geschichte zu alter Stärke zurückfinden und sich daran erinnern, wie machtvoll er einst war…

Rasanter Einstieg

Jodorowskis ausufernde Fantasie (ob da Drogen im Spiel sind?) ist allgemein bekannt. Seine Geschichten bieten oft absurd surreale Szenarien mit spirituellen Einschlägen. Kosmopiraten ist hier sicher noch eins der unaufgeregteren Werke dieses exzentrischen Genies. Trotzdem wird der Leser auch hier mit einer Vielzahl von Charakteren und Spielorten konfrontiert, die in schneller Abfolge die Geschichte vorantreiben.

Im Anfangsteil der Geschichte ist das auch gut gelungen. Durch die schnelle Abfolge von Ereignissen und Ortwechseln bekommt man einen guten Einblick in die Logik der Welt der Kosmopiraten. Leider hält das Tempo bis zum Schluss an und bietet kaum Möglichkeiten zwischendurch durchzuatmen. Das Tempo sorgt auch dafür, dass manche Dinge zu plötzlich geschehen und dadurch auch in gewisser Weise unlogisch wirken.

Jodorowski’s Ideen in Bilder zu verpacken verdient Respekt!

Die verrückten Ideen von Alejandro Jodorowsky zu bebildern, verdient in jedem Fall Respekt. Pete Woods kommt dieser Aufgabe mit Bravour nach, auch wenn es Punktabzug für die etwas altbackenen Charakterdarstellungen gibt. Woods brilliert vor allem mit seinem Design der Raumschiffe und Spielorten. Mit viel Liebe zum Detail schafft er hier mit seinen Zeichnungen ein immersives Leseerlebnis.

Eine solide Abenteuergeschichte mit Abzügen in der B-Note

Kosmopiraten schafft es bedauerlicherweise nicht auf die Liste meiner Lieblings-Sci-Fi-Comics. Zu viele Ungereimtheiten – insbesondere im Mittelteil – trüben das Gesamtbild. Der Widerstand von Xar-Cero gegen die Unterdrückung durch die Magno-Bankiers verliert an Glaubwürdigkeit, da der entscheidende Wendepunkt maßgeblich von einer Schildkröte mit beinahe göttlichen Fähigkeiten abhängt. Dadurch fehlt dem zentralen Konflikt eine nachvollziehbare, organisch entwickelte Auflösung, was das Leseerlebnis spürbar schmälert.

Auch die angelegte Kapitalismuskritik bleibt hinter ihren Möglichkeiten zurück. Statt ihre thematische Schärfe auszuspielen und Bezüge zur gegenwärtigen Realität herzustellen, bleibt sie eher an der Oberfläche.

Dem gegenüber steht jedoch ein äußerst gelungener Einstieg: Atmosphärisch dicht und visuell beeindruckend zieht der Comic schnell in seine Welt hinein und überzeugt mit einer Vielzahl kunstvoll gestalteter Schauplätze. In der Summe ergibt sich so ein durchwachsener, letztlich mittelmäßiger Sci-Fi-Comic, der trotz erzählerischer Schwächen durchaus unterhalten kann.

Kosmopiraten (Splitter Double)

ISBN: 978-3-68950-140-2

Erschienen am: 29.01.2026

Szenario Alejandro Jodorowsky

Zeichnung Pete Woods

Einband Hardcover

Seitenzahl 144

Band 1 von 1

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