Die Schlange und der Kojote (Rezension)

Die Schlange und der Kojote Beitragsbild

Crime-Noir-Geschichte über einen Gangsterboss, der mit seinem alten Leben aufräumt

Matz und Philippe Xavier bieten mit Die Schlange und der Kojote eine klassische Crime-Noir-Geschichte, mit großem Unterhaltungspotenzial. Mit der kürzlich beim Splitter Verlag erschienenen deutschen Ausgabe, gehen wir der Frage auf der Spur, worin das Potenzial dieses Werkes besteht.

Ein Gangsterboss zieht Bilanz

Joe befindet sich im Zeugenschutzprogramm, denn als ehemaliger Mafiaboss entschloss er sich sein altes Leben aufzugeben und sich ein Leben in Freiheit durch Aussagen gegen seine Mitspieler zu erkaufen. Nun fährt er, in der Hoffnung unerkannt zu bleiben, ziellos durch die Wüste. Dabei trifft er auf einen streunenden Kojoten, den Joe für einen Hund hält und kurzerhand in seinem Wohnmobil aufnimmt. Joe unterhält sich in seiner Einsamkeit sehr redselig mit seinem Kojoten und in den Gesprächen erfahren wir, wie Joe sein ehemaliges Gangsterimperium aufgebaut hat und wer ihn alles auf diesem Weg begleitet hat.

Die Nostalgie wird aber vorzeitig beendet, wird Joe doch plötzlich darum gebeten noch einmal vor Gericht auszusagen, um sich endgültig von der Klammer des Rechtsstaates zu befreien. Das schmeckt natürlich einigen kriminellen Widersachern von Joe nicht und außerdem wären da noch korrupte Polizisten, die ihm zusätzlich das Leben zur Hölle machen wollen. Es beginnt eine Verfolgungsjagd bis zum Gerichtssaal, auf der wir viele Einblicke in Joes Persönlichkeit gewinnen.

Sympathie mit dem Bösen

Eine Stärke von Die Schlange und der Kojote liegt in der ambivalenten Darstellung von Joe. Im Laufe der Geschichte erfährt man, wie skrupellos und brutal Joe mit Widerständen umgeht und trotzdem kann man sich gewisser Sympathien nicht verwehren. Das mag vielleicht auch an dem aberwitzigen Umgang mit seinem Kojoten liegen. Bis zuletzt kann Joe sich nicht auf einen Namen für den Kojoten festlegen, spricht in deswegen ständig anders an und betreibt rege eindimensionale Kommunikation mit dem schweigsamen Gefährten. Sympathisch ist auch der liebevolle Umgang mit seiner Tochter, die eigentlich nichts mehr von ihrem Vater wissen möchte. Joes Charakter bringt dabei eine gewisse Melancholie mit sich, die sich authentisch aus dem vorherigen kriminellen Leben von Joe speist.

Verzicht auf unnötige Action

Erwähnenswert ist auch die betont langsame Erzählweise. Die ersten Seiten nehmen sich viel Zeit, um das Setting zu eröffnen. In fast schon cineastischen Bildern werden wir in großformatigen Panels in die Wüste Arizonas transportiert. Dabei sorgen Ortsangaben in Großbuchstaben für kleine Tarantino-Momente. Die Schlange und der Kojote verzichtet auf unnötige Action und entwickelt langsam den Plot. Dabei steht immer Joe im Fokus, der nostalgisch in der Vergangenheit schwelgt und dabei immer wieder in sympathische Interaktionen mit seinem Kojoten einsteigt. Der Plot Twist ist eigentlich nebensächlich, ist doch die Reise durch die Wüste schon ein unterhaltsames Unterfangen – frei nach dem Motto: Der Weg ist das Ziel!

Cineastische Bilder authentisch in Szene gesetzt

Immer wieder arbeiten Matz und Xavier mit cineastischen Bildern. Sie nehmen sich Zeit, um das Szenario zu entwickeln. Dabei schaffen sie es schnell, das Gefühl eines Roadtrips durch die Wüste Arizonas einzufangen. Das ist alles nicht unbedingt innovativ, kennen wir doch schon aus Breaking Bad und ähnlichen Werken die klassische „Ich trinke in der Wüste vor meinem Camper eine Dose Bier mit Blick in die Weite“ Optik. Das Rad muss ja nicht immer neu erfunden werden, wenn Altbewährtes qualitativ gut umgesetzt wird. So ist es auch im Falle von Die Schlange und der Kojote. Der Stil der Zeichnungen fügt sich authentisch dem Look-and-Feel des Amerikas der 70er Jahre. Diese Authentizität findet sich auch in der Gestaltung der Charaktere und die detailreichen Zeichnungen wissen auf ganzer Linie zu überzeugen.

Du magst Wüstensettings, Krimi-Einflüsse und Badass Charaktere?

Dann greif zu! Die Schlange und der Kojote bietet für Fans von Crime-Noir-Storys ein grundsolides Werk, das sich perfekt in das Genre einreiht. Dabei treffen wir auf altbekannte Bilder und Klischees, die aber in einer hohen Qualität verarbeitet wurden. Spannend ist dabei vor allem der ambivalente Protagonist, der uns immer wieder über seine Grausamkeit stolpern lässt und dabei trotzdem furchtbar sympathisch in Szene gesetzt wird. Wer Lust auf weite amerikanische Wüstenlandschaften und einen spannenden Roadtrip hat, kann sich mit Die Schlange und der Kojote auch vom Sofa aus auf den Weg machen. Gute Reise!

© Splitter Verlag

Die Schlange und der Kojote

ISBN: 978-3-98721-129-4

Erschienen am: 24.05.2023

Szenario Matz

Zeichnung Philippe Xavier

Übersetzg. Hanna Reininger

Einband Hardcover

Seitenzahl 144

Band 1 von 1

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