Eternauta (Rezension)

Eternauta Beitragsbild

Neuauflage des Science Fiction Klassikers von H. G. Oesterheld beim Reprodukt Verlag erschienen

Der argentinische Sci-Fi-Klassiker Eternauta ist im Reprodukt Verlag in einer Neuauflage erschienen. Fans des Comics dürfen sich seit 2025 auch über eine Serienadaption bei Netflix freuen. Eternauta ist also unübersehbar Teil des popkulturellen Kanons geworden. Wir wagen einen Blick auf den Stoff der zwischen 1957 und 1959 als wöchentliche Fortsetzungsserie veröffentlicht wurde. Funktioniert der Klassiker auch noch nach heutigen Maßstäben?

Eine außerirdische Invasion und tödlicher Schnee

Als Juan Salvo mit seinen Freunden beim Kartenspiel in seiner Mansarde in einem Vorort von Buenos Aires, als es plötzlich zu einem mysteriösen Schneefall kommt. Der Schnee scheint wie eine Art Gift zu wirken und jegliche Leben, das mit ihm in Berührung kommt, stirbt augenblicklich. Das wird Salvo schmerzlich vor Augen geführt, als einer seiner Freunde nach Hause laufen will und mitten im Schnee leblos zu Boden geht. Mit den restlichen Überlebenden isoliert Salvo das Haus und fertigt Schutzanzüge an, um der Bedrohung standzuhalten. Dass nebenbei eine Invasion stattfindet und tödliche Insektenwesen in Buenos Aires ihr Unwesen treiben, werden Salvo und seine Freunde schon schnell am eigenen Leib erfahren müssen…

Eine allumfassende Bedrohungslage

Die Stärke des Werks von H.G. Oesterheld ist die kaum zu fassende Bedrohungslage. Wir wissen zu Beginn nichts über die Herkunft der tödlichen Schneefälle und auch als klar wird, dass die Erde einer Invasion unterliegt, bekommen wir keine genaueren Informationen über die Beweggründe der Invasoren. Es gibt zwar außerirdische Wesen, mit denen die Protagonisten in Kämpfe verwickelt sind, aber diese werden von den eigentlichen Invasoren „Ferngesteuert“. Die Situation hat Kafkaeske‘ Züge. In den Alltag einer Familie und ihren Freunden bricht plötzlich eine absurde Ausnahmesituation ein, die alles verändert.

In Eternauta geht es weniger um den Kontakt zu den extraterrestrischen Lebensformen, als um das menschliche Miteinander in Krisenfällen. Wie kann man sich als Gruppe organisieren, um den widrigen Umständen zu begegnen und wie viel ist man bereit für die Gemeinschaft und das Überleben der Menschheit zu geben?

Klassische Comickunst

Die künstlerische Gestaltung von Eternauta lässt sich am ehesten in die Riege klassischer Pulp-Comics der 50er und 60er Jahre einordnen. Dabei sind die Illustrationen von Francisco Solano López eher realistisch und mit klarem Strich gezeichnet. Durch den Einsatz größerer schwarzer Flächen und kontrastreichen Bildkompositionen etabliert Francisco Solano López eine gewisse Dramatik, die zu der kafkaesken mysteriösen Bedrohungslage in der Geschichte passt. Man darf hier keine innovativen künstlerischen Techniken erwarten, sondern ein Comic, der sehr solide den Stil seiner Zeit abbildet.

Ein Muss für alle Sci-Fi Enthusiasten

Eternauta gehört sicherlich in das Regal eines jeden Science-Fiction-Fans. H. G. Oesterheld hat hier einen Klassiker der Sci-Fi-Literatur geschaffen, der abseits von den typischen Genrevertretern des westlichen Kanons Einblicke in die Comickultur des südamerikanischen Kontinents bietet. Dabei ist Eternauta ein klassischer Vertreter der Pulp-Comics der 50er und 60er Jahre, der durchaus mit ganz eigenen Ideen heraussticht.

Ein kleiner Kritikpunkt stellt für mich der starke Fokus auf militaristische Erzählstränge dar. Über weite Teile der Geschichte geht es um Militärtaktik und Geplänkel mit den Außerirdischen Wesen. Stärker fand ich die Passagen, in denen sich die Überlebenden der tödlichen Schneefälle als kleine Gruppe etabliert haben, um in der Vorstadt einen Rückzugsort für sich zu organisieren. Insgesamt zeichnet sich Eternauta durch seine besondere Stimmung aus, die in weiten Teilen von ungeklärten Fragen und mysteriösen Vorfällen getragen wird. Wer Science-Fiction-Comics liebt, sollte sich Eternauta nicht entgehen lassen!

Eternauta

NEUAUFLAGE

Text: Héctor G. Oesterheld

Zeichnung: Francisco Solano López

Übersetzung aus dem argentinischen Spanisch von Claudia Wente

Mit einem Vorwort von Juan Mattio und einem Nachwort von Dr. Estela Schindel

Veröffentlichung: April 2026 | jetzt erhältlich

ISBN: 978-3-96445-160-6

384 Seiten, Hardcover mit Spotlack

28,5 x 22,5 cm, schwarzweiß

50,00 €

Please follow and like us:

Für dich vielleicht ebenfalls interessant …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Instagram
Follow by Email
RSS