Rezension: Aliens – Dead Orbit von James Stokoe

Alien Dead Orbit James Stokoe

Weltraum-Wimmelbilder auf LSD

Der kanadische Zeichner James Stokoe schafft es mit „Aliens – Dead Orbit“ ein Wimmelbildspektakel zu produzieren, dessen surrealer Charakter wie ein böser psychedelischer Trip wirkt. Selten wird man mit so einem Detailreichtum belohnt, wie bei Stokoes Kunst. Das Cover von „Aliens – Dead Orbit“ offenbart bereits den Arbeitseifer, mit dem James Stokoe sein Werk hier vorlegt. Zu sehen ist ein Alien, das aus Weltraumschrott zusammengesetzt zu sein scheint und gerade im Auflösen begriffen ist.

„Alien – Dead Orbit“ von James Stokoe ©CrossCult

Dabei sind tatsächlich einzelne Teile des Weltraumschrotts zu erkennen, und man ertappt sich dabei, sich in diesen Details zu verlieren, fast so als wäre man wieder ein Kind und würde vergebens nach „Waldo“ (Wimmelbild-Ikone) in einem Getümmel aus Eindrücken suchen.

Die Geschichte von „Aliens: Dead Orbit“ bietet uns neben dem visuellen Spaß und der visuellen Innovation kaum Neuheiten. So kann man die Geschichte als eine klassische Alien-Geschichte bezeichnen. Eine Gruppe von Raumfahrern, die sich um die Funktionalität der Zwischenstation „Sphacteria“ kümmert, entdeckt ein anderes Schiff in der Nähe der Station. Der Aufbau einer Kommunikation schlägt fehl, deswegen entscheidet sich die Crew dazu, das andere Schiff für eine Rettungsmission zu besuchen.

Alien Dead Orbit James Stokoe
„Alien – Dead Orbit“ von James Stokoe ©CrossCult

Der Rest der Geschichte liegt auf der Hand. Eben ganz klassischer Alien-Stoff. Das klingt zunächst ernüchternd, ist es aber insgesamt betrachtet gar nicht. Stokoes genialer Zeichenstil schafft es auf surrealer Weise perfekt, die Stimmung und die Atmosphäre der klassischen Alien-Filme von Ridley Scott einzufangen.

Der Detailreichtum von Stokoes Zeichnungen unterstützt dabei hervorragend den technischen Charakter der Weltraumstation. Schläuche, Rohre, Verkabelungen – alles zeichnet Stokoe bis in das letzte Detail.

Die Hauptprotagonisten werden als raue Gesellen dargestellt. Wie es sich für eine richtige Alien-Geschichte gehört, wird auch hier auf der Raumstation geraucht. Stokoe schafft es, die Düsternis und die seelische Verlorenheit der Charaktere in seinen Zeichnungen auszudrücken.

„Alien – Dead Orbit“ von James Stokoe ©CrossCult

Dabei darf man allerdings keine Charaktere mit Tiefgang erwarten. Nach der Lektüre wird man sich wohl kaum noch länger an einen der Protagonisten erinnern. Diese inhaltlichen Schwächen rücken aber aufgrund der künstlerischen Gestaltung völlig in den Hintergrund. Für Freunde der klassischen Alien-Filme kann eine klare Empfehlung ausgesprochen werden, denn man bekommt hier, was man an den Filmen so liebt – klaustrophobischer, düsterer Weltraumhorror mit scheinbar unbesiegbaren Widersachern.

„Alien – Dead Orbit“ von James Stokoe ©CrossCult
„Alien – Dead Orbit“ von James Stokoe ©CrossCult

Wer Lust auf gute Geschichten hat und ansonsten auch nicht viel mit dem Alien-Franchise anfangen kann, der wird mit diesem Comic wohl nicht glücklich werden. Man darf gespannt sein, mit welchen Werken Stokoe in Zukunft noch begeistern wird, sein Stil ist jedenfalls jetzt schon einzigartig und macht Lust auf mehr.

Aliens: Dead Orbit von James Stokoe

Erschienen bei CrossCult

Erscheinungsdatum: 28.02.2020
17×26,
104 Seiten
Genre:
Horror/Mystery
Science-Fiction

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