No Zombies 1: Das Buch Joseph (Rezension)

No Zombies 1: Das Buch Joseph Beitragsbild

Noch eine Zombiegeschichte, aber dieses Mal mit Impfung!

In No Zombies 1: Das Buch Joseph von Olivier Peru (Story) und Evgeniy Bornyakov (Zeichnungen), erschienen auf Deutsch 2022 beim Splitter Verlag, bekommen Zombies eine zweite Chance!

Unzählige Zombiegeschichten bevölkern bereits die Popkultur. Egal ob Kinofilme, Serien, Comics, Bücher oder Videospiele – überall kann man den Hirntoten mit Fleischeshunger begegnen. In den meisten dieser Geschichten fahren harte Typen mit Mähdreschern durch Zombiehorden, oder sie lassen die Köpfe der Untoten mit Baseballschlägern kollidieren. In No Zombies 1: Das Buch Joseph hat sich Olivier Peru allerdings einen etwas anderen Ansatz ausgedacht. Das ist auch bitter nötig, scheint doch der Markt der innovativen Zombiegeschichten weitestgehend abgefrühstückt zu sein. Perus Story entscheidet sich von allen anderen Zombiegeschichten in einem eklatanten Punkt: Es gibt eine Impfung, die Zombies wieder zu Menschen zurückverwandelt.

Eine Gruppe verbreitet die frohe Botschaft über den Impfstoff

In No Zombies 1: Das Buch Joseph folgen wir der Geschichte von Joseph, einem Mitglied des Stammes der Lakota, der mit einer Gruppe von anderen Idealisten, ausgestattet mit Impfstoff, möglichst vielen Überlebenden Hoffnung schenken möchte. Dabei handelt Joseph allerdings nicht ganz uneigennützig, sucht er doch nach seinem großen Bruder, der nach einem Zombiebiss noch nicht in den Genuss einer Impfstoffdosis gekommen ist. Die meisten Mitglieder der Gruppe wurden selbst bereits gebissen, in Zombies verwandelt und dann mit dem Impfstoff zurückgeholt. Mit den Bissspuren will die Gruppe auch die letzten Bewohner der Stadt New Olympus davon überzeugen, dass ihr Impfstoff wirkt.

Ein Milliardär, der uns bekannt vorkommt…

Die Stadt, die von Milliardär Dylon Tusk (Ähnlichkeiten mit einem lebenden Twitter CEO vorhanden) gebaut wurde, scheint ein letztes Bollwerk gegen die Zombiehorden zu sein. Sie kann sich autark mit regenerativer Energie versorgen und scheint alles bereitzuhalten, was Menschen zum Überleben brauchen. Nachdem Joseph und seine Gruppe den Bewohnern erfolgreich die Wirkkraft des Impfstoffes vorführen können, werden sie von den Bewohnern von New Olympus akzeptiert. Zusammen sollen sie auf eine Mission in die Kanalisation der Stadt gehen. Diese ist allerdings von Zombiehorden bevölkert und auch menschliche Widersacher scheinen nicht weit…

Geht der innovative Ansatz auf?

Nach unzähligen Zombiegeschichten, scheint hier das erste Mal Heilung in Sicht zu sein. Da wo Will Smith im Kino-Blockbuster I Am Legend noch von einem Impfstoff in ausreichender Menge träumt, ist Peru in seiner Story schon entscheidende Schritte weiter. Es gibt den Impfstoff und er sorgt für ein Umdenken der Überlebenden. Während in handelsüblichen Zombiestorys das Metzeln der Hirntoten ganz oben auf der Karte steht, werden in Perus Graphic Novel Zombies mit mehr Empathie behandelt. Die Möglichkeit sie zurückzuverwandeln, gibt den Protagonisten die Möglichkeit weiterhin das Menschliche in den Erkrankten zu sehen. Der Baseballschläger als Endstation hat also zugunsten einer guten Medikation abgedankt. No Zombies 1: Das Buch Joseph bietet bereits einen guten Start, um in das Denkgebäude dieses neuen Ansatzes einzusteigen. Wie dieser Kniff in den weiteren Teilen funktioniert und welches Innovationspotenzial damit einhergeht, bleibt abzuwarten.

Stimmungsvolle Bebilderung

Die Zeichnungen von Evgeniy Bornyakov sind stimmungsvoll und atmosphärisch koloriert. Rückblicke in die Vergangenheit sind in Sepia/Gelbtönen gehalten und bieten durch diese Gestaltung mehr Orientierung. Die einzelnen Panels sind detailreich und so ausgearbeitet, dass die einzelnen Settings eine immersive Kraft entfalten können. Im Gegensatz zu anderen Zombiegeschichten ist der Gore-Faktor in Bornyakovs Zeichnungen sehr gering. Das scheint wichtig zu sein, um der Story eine gewisse Ernsthaftigkeit zu geben, handelt es sich hier doch schließlich nicht um ein B-Movie-Splatter-Fest.

Homo homini lupus

Wie so oft ist der Mensch auch in Zombieapokalypsen die größte Gefahr für den Menschen. Auch in No Zombies 1: Das Buch Joseph sind die sozialen Wirrungen in den einzelnen Fraktionen und Gruppen Zündstoff für brutale zwischenmenschliche Konflikte. Genau diese dramaturgischen Elemente scheinen aber auch die Sogkraft des Zombiegenres auszumachen. Das Aktionspotenzial hirntoter Infizierter scheint doch für Storyarcs relativ überschaubar zu sein. Menschliche Motive sind hingegen in ihrer Vielfältigkeit kaum eingrenzbar. Dass hier nun auch noch ein Impfstoff als Variable hinzukommt, kann zu spannenden Wendungen in der Erzählung führen. No Zombies 1: Das Buch Joseph bereitet jedenfalls einen gelungenen Auftakt, der Lust auf mehr macht. Dabei scheint diese Geschichte nicht nur interessant für Fans des Genres zu sein. Durch den geringen Splatterfaktor und der Ernsthaftigkeit der Erzählung wird ein breites Publikum an potenziellen Lesern angesprochen. Wer bisher einen Bogen um Zombiegeschichten gemacht hat, könnte hier einen wunderbaren Einstieg in das Genre finden.

No Zombies 1: Das Buch Joseph

ISBN: 978-3-98721-066-2

Erschienen am: 26.10.2022

Szenario Olivier Peru

Zeichnung Evgeniy Bornyakov

Übersetzg. Tanja Krämling

Einband Hardcover

Seitenzahl 64

Band 1 von 4

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